Stadt Zürich: Lohnt sich die Anmeldung für die günstigsten Wohnungen der Stadt?
Jeder in Zürich kennt die legendären Inserate im "Tagblatt": 3 Zimmer im Kreis 4 für unter 1000 Franken. Dahinter steckt oft keine klassische Genossenschaft, sondern der grösste Vermieter der Stadt: Die Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich (LSZ). Sie sind zwar keine Genossenschaft im rechtlichen Sinne, funktionieren aber ähnlich (Kostenmiete) und sind für viele Wohnungssuchende der letzte Hoffnungsschimmer. Doch wie realistisch ist es, eine dieser begehrten "Städtischen" zu ergattern? Wir haben die Daten analysiert.
Hier ist unser genossenschaftsscout.ch Check.
Hard Facts:
- Bestand: Über 9.000 Wohnungen (direkter städtischer Besitz) + ca. 5.000 in städtischen Stiftungen (z.B. SAW).
- Orte: In allen Stadtkreisen vertreten, von der Altstadt (Schipfe!) bis zu grossen Siedlungen in Schwamendingen oder Altstetten.
- Kosten: Konsequente Kostenmiete. Oft 30-50% unter Marktpreis.
- Anteilscheine: Keine! Es wird lediglich eine normale Mietkaution verlangt.
- Einkommens-Hürde: Es gilt eine strikte Obergrenze! Dein steuerbares Einkommen darf bei Einzug maximal 4x so hoch sein wie die Jahresmiete.
Scout-Daten: Was kostet es wirklich?
Wir haben 824 Inserate der Stadt Zürich aus den letzten Monaten analysiert. Das Ergebnis lässt selbst uns staunen. Die Mieten sind nicht nur günstig, sie sind teilweise historisch tief.
Während man auf dem freien Markt für 3 Zimmer kaum etwas unter 2500 Franken findet, liegt der Durchschnittspreis bei der Stadt Zürich für 3 Zimmer bei ca. 1372 Franken. Noch extremer sind die Ausreisser nach unten: Wir fanden Dutzende 2-Zimmer-Wohnungen im Bereich von 600 bis 800 Franken – teilweise mitten in der Stadt (Kreis 1 & 4). Ein absolutes Highlight unserer Analyse war eine 1-Zimmer-Wohnung an der Schipfe (Altstadt) für 645 Franken.
Hinweis: Die extrem günstigen Mieten (< 600 CHF) sind oft an sehr kleine, einfache Altbauwohnungen oder spezifische Subventionen gebunden. Doch auch die "normalen" 4-Zimmer-Wohnungen für Familien liegen oft bei unschlagbaren 1600 Franken.
Wie kommt man rein? (Der Prozess)
Anders als bei vielen Genossenschaften gibt es hier keine klassische Warteliste, auf die man sich Jahre im Voraus setzen kann. Der Prozess ist digital, schnell und – ehrlich gesagt – eine Lotterie.
- Registrierung: Du brauchst ein "Mein Konto" auf der Website der Stadt Zürich.
- Aktivierung: Im Konto musst du den Service "E-Vermietung" abonnieren.
- Der "Mittwoch-Ritual": Neue Wohnungen werden oft mittwochs aufgeschaltet (parallel zum Tagblatt).
- Die Lotterie: Wenn dir eine Wohnung gefällt, klickst du auf "Teilnehmen" für die Besichtigung. Achtung: Da sich Tausende bewerben, entscheidet ein Zufallsgenerator (Computer), wer zur Besichtigung eingeladen wird.
- Bewerbung: Nur wer vom Computer ausgewählt wurde und besichtigt hat, darf sich final bewerben.
Der kritische Einkommens-Check
Die 1:4 Regel:
Das ist der häufigste Stolperstein: Die Stadt Zürich vergibt ihre Wohnungen streng nach Bedürftigkeit. Es gilt eine harte mathematische Grenze:
Dein steuerbares Einkommen (aller Personen im Haushalt) darf bei Mietbeginn nicht höher sein als das Vierfache der jährlichen Bruttomiete.
- Rechenbeispiel: Kostet die Wohnung 1'000 Franken im Monat (12'000 im Jahr), darf euer gemeinsames steuerbares Einkommen maximal 48'000 Franken betragen.
- Vermögen: Hast du mehr als 200'000 Franken Vermögen? Dann wird ein Teil davon (10% des Überschusses) fiktiv zum Einkommen dazugerechnet.
- Nachweis: Du musst zwingend deine letzte definitive Steuerrechnung einreichen. Lohnausweise reichen oft nur, wenn du neu in der Schweiz bist oder noch keine Steuerrechnung hast.
Wichtig: Diese Regel schützt die günstigen Wohnungen vor Gutverdienern. Wenn du zu viel verdienst, wirst du vom System oft gar nicht erst zur Besichtigung eingeladen oder spätestens bei der Bewerbungsprüfung aussortier
Der Vibe: Für wen ist das was?
Wohnen bei der Stadt ist "Zürich pur". Die Durchmischung ist riesig: Hier wohnt die junge Studentin neben der Rentnerin, die seit 40 Jahren im Quartier lebt. Es ist weniger das "Wir-Gefühl" und "Mitmach-Groove" wie bei jungen Genossenschaften (z.B. Kraftwerk1), sondern eher ein pragmatisches, faires Mietverhältnis. Der Vibe ist oft etwas bürokratischer – man hat es mit einer Verwaltung zu tun, nicht mit engagierten Nachbarn im Vorstand.
Pro & Contra
Fazit
Die Wohnungen der Stadt Zürich sind der "Jackpot" auf dem Wohnungsmarkt. Wer hier reinkommt, zieht oft nie wieder aus. Da es keine Warteliste gibt und kein Kapital für Anteilscheine nötig ist, solltest du dich unbedingt registrieren und wöchentlich dein Glück versuchen. Es kostet nichts ausser ein paar Klicks. Aber: Verlasse dich nicht allein darauf.
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